Gott richtet uns nicht!

Liebe Freunde,
gerne möchte ich mit euch über das Thema Richten sprechen, das mir sehr auf dem Herzen liegt, da unter uns Christen oft die Meinung vorherrscht, Gott richte uns. Doch dem ist glücklicherweise nicht so. Seine Gnade ist absolut vollkommen, doch weil wir fast alle noch mehr Gesetzlichkeit in uns haben, als uns lieb und bewusst ist, haben wir oft grosse Mühe, Seine Gnade wirklich zu verstehen und anzunehmen. Doch das soll sich ändern, und so hoffe ich, euch damit in eine grössere Freiheit führen zu dürfen.
Gott ist nicht derjenige, dem das Richten auf dem Herzen liegt – wir Menschen sind es, die das Richten zu lieben scheinen.
In Joh. 5,22 sagt Jesus: “Der Vater richtet niemanden, sondern hat das Gericht dem Sohn übergeben.”
Das Bild eines Gottes, der mit einem großen Richthammer im Himmel sitzt und dir sagt, was du alles richtig oder falsch machst, ist völlig unzutreffend. Jesus sagt, dass Sein Vater niemanden richtet – Ihm, dem Sohn ist das Richten anvertraut.
Joh. 12,47: “Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den richte ich nicht; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.”
Das ist es im Wesentlichen, was Jesus über Seine Aufgabe als Richter sagt. Wenn du Seine Worte nicht bewahrst/beachtest/befolgst, also ungehorsam bist und nicht tust, was richtig ist, oder etwas Falsches machst, wird Jesus dich nicht richten!
Das passt nicht zu dem Konzept, dass Gott unser Leben durchforscht und schaut, wofür Er uns richten muss und wofür Er uns segnen kann. Er will nicht richten, Er will retten.
Wenn der Vater nicht richtet, und Jesus richtet auch nicht – wer ist es dann, der überhaupt richtet? Vielleicht der Heilige Geist?
Aber Johannes 16 sagt uns, dass Er unser Tröster/Beistand ist und unsere Augen öffnen wird – unter anderem tatsächlich für das Gericht – nämlich, dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist (am Kreuz geschah das!). Nirgendwo steht geschrieben, dass der Heilige Geist uns richtet. Die Person, die richtet, ist die, der du jeden Tag im Spiegel ins Gesicht schaust! Wir sind unglaublich gut darin, uns selbst und andere zu richten (oft, ohne es zu merken!). Wir könnten fast schon einen Doktortitel im Richten bekommen!
Deswegen sagt Jesus in Mt. 7,1: “Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!”
Wenn du sein willst wie Gott, dann richte nicht! Wenn Er nicht richtet, dann sollten wir das vielleicht auch nicht tun?
Er sagt also, wir sollen nicht richten, damit wir selbst nicht gerichtet werden, denn genauso, wie wir andere richten (oder beurteilen), so werden wir gerichtet (beurteilt) werden.
Lukas 6,37-38: “Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.” Der Kontext lässt erkennen, dass es bei dem Maß nicht um Geld geht, sondern ums Richten! So, wie du gibst, wie du austeilst (Gnade oder Verurteilung?), so wird dir zurückgegeben werden. Die Frage ist nur, von wem? Warum steht da:
“Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.” (Mit anderen Worten, wenn du richtest, wirst auch du gerichtet.) Wenn also der Vater nicht richtet und Jesus und der Heilige Geist ebenso wenig, wer richtet uns dann als Reaktion auf unser eigenes Richten? Wir selbst! Wir richten den Standard auf, an dem wir von unseren Mitmenschen gemessen und gerichtet werden.
Folgende Überlegungen können dir helfen, verurteilende Gedanken über dich selbst und andere loszuwerden.
  • Ist das wahr?
  • Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
  • Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesem Gedanken glaubst?
  • Wer wärst du ohne diese Gedanken?
In Lukas 6:27 lesen wir: «Euch aber, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde! Tut wohl denen, die euch hassen!»
Bis du deinen Feind nicht als Freund sehen kannst, ist deine Arbeit an dir selbst noch nicht abgeschlossen. Gott liebt uns, da Er eine völlig andere Perspektive hat, ja Er liebt sogar Seine Feinde! Und dazu fordert uns die Schrift auf. Egal ob jemand anderer Meinung, oder ein schwieriger Mensch ist, wir ihn nicht verstehen, er oft unbedachte Worte spricht und uns damit verletzt – es hat NIE mit deinem Gegenüber zu tun. Es hat immer mit deiner eigenen Sichtweise zu tun.
Wir alle sehnen uns danach, dass wir geliebt werden, wie wir sind und wo wir gerade stehen. Wir wünschen uns die Freiheit, wir selbst sein zu dürfen. Das müssen wir auch allen anderen zugestehen, und das fängt in unserem Denken an. Wenn wir die Einheit, Liebe und den Frieden untereinander erleben wollen, dann dürfen wir uns keine verurteilenden und ausgrenzenden Gedanken mehr erlauben. Wir können das Gespräch miteinander suchen und einander auch trotz unterschiedlicher Auffassungen und Schlussfolgerungen lieben und miteinander weitergehen – das ist Reife – und darüber freut sich Gott.

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